„Wir sind Bernd Große Lordemann, Robert Oeser und Martin Helms. Drei Musiker aus Berlin.“ Goßsprecherisches Rockgebaren ist Elyjah bei solch lakonischer Selbstbeschreibung kaum nachzusagen. Zum Glück! Während sich andere Bands besonders darin gefallen, als „Gang“ dazustehen, die „auszieht, um die Welt zu verändern“ [oder dergleichen], betonen Elyjah das Individuelle in ihrer Musik. Die Elemente, die alle zu gleichen Teilen beisteuern. Frühe Proberaumerlebnisse beschrieben sie einmal so: „Da spielen drei Musiker in einem Raum und in der Mitte entsteht Musik“ – in ihrer Schlichtheit die vielleicht schönste Beschreibung von Emergenz, seit Kantes „Summe der einzelnen Teile“. Die Bandgeschichte begann im Herbst 2003. Über verschiedene Sessions und Projekte lernte man sich kennen. In Berlin ist das nicht ungewöhnlich, besticht die lokale IndieSzene doch nicht zuletzt durch regen Austausch. Bis 2006 machten Elyjah instrumentale Songs, waren permanent auf Sängersuche, bis Robert eines Tages seine Gesangsstimme entdeckte. Wieso es so lange gedauert hat mag man sich insbesondere deshalb fragen, weil Roberts Stimme auf ihrem DebütAlbum „Planet Planet“ einen unverkennbar markanten Ausdruck besitzt. Elyjah gehen einen besonderen Weg, der weniger mit Zurückgenommenheit als Bedacht in Verbindung gebracht werden muss. Tatsächlich klingt ihre Unaufdringlichkeit aufsässig, eine gewisse Chuzpe ist deutlich wahrnehmbar, man weiß um das musikalische Vermögen und macht mächtig Gebrauch davon. Eine Hypothese: Das erste Lied ihres DebütAlbums „Planet Planet“ heißt „Traverse“ und ist eine Anspielung. Ein freundlicher Wink an den Familienclan der Thomas PynchonRomane. Einem Autor, der vor allem dafür bekannt ist, Genregrenzen durch Stilmixe zu sprengen. Okay, das ist gewagt, aber vielleicht nicht ganz abwegig. Denn auch Elyjah arbeiten mit dem, was da ist und bringen offenkundig widersprüchliche Vorlieben zusammen. „Planet Planet“ ist eine Art Schmelztigel, der epische Songs wie „V’ger“ genauso integriert, wie die Popstrenge von „Wired Song“. Teilweise lässt sich durchaus der Spirit von oldschool Indie a la Superchunk vernehmen, dann wieder Versatzstücke von Refused, Turing Machine und auch die Smashing Pumpkins haben etwas hinterlassen. Bei all dem ist festzuhalten, dass Elyjah das klassische RockInstrumentarium nutzen, ohne ihm die abgedroschenen barschen und bodenständigen Klänge zu entlocken. Kein Stil ist einfach verschwunden, alles wurde auf „Planet Planet“ mit einbezogen. Offenheit nennt man das wahrscheinlich. Und die Musikrichtung? In Ermangelung einer besseren Aufschrift sagen wir einfach PostRock dazu. Wie kann man alles zusammen bringen und trotzdem so „selbst“ bleiben? Das Booklet von „Planet Planet“ verweist auf die Erklärung. Auf dem Cover sehen wir die sechs inneren Ringe einer Zielscheibe, auf die offenbar scharf geschossen wurde. Der Scheibenspiegel ist von Projektilen durchbohrt, kleine schwarze Löcher umranden das Zentrum. Wir werden konfrontiert mit einem Gestaltungskonzept, das sich mühelos als Analogie auf die Arbeitsweise Elyjahs übertragen lässt. Der innerste Ring der Scheibe bildet den Ort größten Verlangens, der Schütze strebt nach Perfektion, um ihn zu treffen. „Planet Planet“ ist das, was Elyjah in diesem innersten Ring gesehen haben. Sie haben die Kreise so eng um sich gezogen, bis am Ende nur noch sie selber in diesem Zentrum standen, dem Kern, in dem sich alles verdichtet. Deshalb haben sie alles selbst gemacht und sich keinerlei Unterstützung von außen geholt. Wozu auch Hilfe holen, wenn man möglichst nahe an allem bleiben möchte? „Planet Planet“ ist damit das Ergebnis eines zweijährigen Produktionsprozesses, der nicht immer einfach war, weil man es die ganze Zeit mit sich selbst zu tun hatte. Mit den eigenen Ideen und Vorstellungen davon, wie wohl eine Musik klingen könnte, die in der Mitte dreier Individuen entsteht. Die Vision vom inneren Kreis war dabei so stark, dass man sich kurzerhand dazu entschloss, ein eigenes Label zu gründen. Alles in der Hand haben, keine Kompromisse eingehen, um sich am Ende einig zu sein: „Planet Planet“ ist von der ersten Note bis zur letzten gedruckten Zeile genauso, wie die Band es wollte. Das DebütAlbum „Planet Planet“ erscheint am 20. November 2009 auf Klimbim Records, dem bandeigenen Label und wir vertrieben von Cargo Records. Im Dezember geht es auf Tour.