Vermutlich ist dies die erste CD, die ich in Händen halte, die wie ein gebundenes Buch aussieht und einen silbernen Schutzumschlag hat. Das gibt Martin Ehlers`zweiter CD einen sehr edlen Touch. Das Innere der CD hält, was das Äußere verspricht: Sehr edler Klaviertrio-Jazz, in transparenter Klarheit aufgenommen (hier muss nun auch endlich mal der Spezialist für die Aufnahme akustischer Jazzbesetzungen genannt werden, der in den letzten Jahren schon einige gute CDs mitbetreut hat: Tontechniker Stephan van Wylick). Acht Eigenkompositionen spielt das Trio, und unter schwedischen Momenten versteht Martin Ehlers emotional, von Licht erfüllt, open-minded und open-hearted. Die Drei aus dem Hamburger Raum verstehen sich in der Tradition von Keith Jarrett oder George Winston, klangmalerisch, manchmal frei in den Formen, manchmal durch Schlichtheit betörend. Musik habe ihn schon immer körperlich angesprochen, sagt Ehlers. Bei bestimmten Akkorden bekäme er eine Gänsehaut. Vielleicht hat ihn das an der schwedischen Folklore begeistert, die ihn für sein Album inspiriert hat. Aber auch eher poppige Klänge wie Stjärnafall kommen zum Zuge, oder ein musikalischer Streifzug durch den nächtlichen Hafen von Hamburg. Martin Ehlers versteht es, sich zurückzunehmen zugunsten der Musik, er muss sich nicht durch augenwischende Virtuosität in die Ohren seiner Zuhörer spielen. Vielmehr lässt er seinen Mitspielern sehr viel Raum zur klanglichen Entfaltung. Thomas Biller unterstützt das Trio durch entweder leicht dahingetupfte Noten oder wuchtiges Bassfundament, Derek Scherzer kann sowohl mit Besen als mit Sticks vorwärtsschieben, aber auch einfach nur dezent durch Sounds unterstützen. Somit erinnert Swedish Moments durchaus vom Spiel-Approach und vom Sound an Klaviertrio-Aufnahmen von ECM, die Vorbild für Martin Ehlers scheinen - eine hohe Messlatte, die für das Trio aber durchaus nicht unerreichbar hängt. (Jazzthetik)