Auch kleine Götter werden mal groß Anstatt uns selber in den höchsten Tönen zu loben, lassen wir doch lieber einen Dritten zu Wort kommen: Max Goldstein den Sohn von Tills Tante Lisalotte, bei der wir eines der spannendsten Abenteuer unserer Kindheit verlebten, als wir den Schatz der Riffpiraten fanden. Damals war Max nur der musikverrückte 12 Jahre ältere Cousin von Till Toll. Heute ist er ein erfolgreicher Musikproduzent. Hier sind seine Linernotes zu unserer neuen Platte: Ich traf Die Kleinen Götter zum ersten Mal vor 9 Jahren. Sie waren damals den Sommer über zu Besuch bei meiner Mutter Lisalotte. Als sie herausbekamen, dass ich als Assistent in einem kleinen Ton-Studio arbeitete, spielten sie mir irgendwann ihre erste Demo-CD vor, die sie gerade frisch aufgenommen hatten. Ich konnte mit ihrer Musik damals ehrlich gesagt nicht viel anfangen, aber die 4 Jungs vom Bodensee schloss ich in ihrer optimistischen und selbstironischen Herangehensweise an ihre Kunst schnell in mein Herz. Heute, an einem heißen Sommertag im Jahre 2005, halte ich wieder eine CD von Die Kleinen Götter in den Händen. Es ist eine Promotioncopy von ihrem neuen Album Der Schatz der Riffpiraten. Und gerade weil ich die Anfänge der Band kenne, bin ich begeistert, was für ein vielfältiges, erfrischendes und dramaturgisch geschickt aufgebautes Album ihnen da gelungen ist. Ich habe in meinem Leben schon mit vielen großen Künstlern wie Green Day oder Teenage Fanclub zusammengearbeitet, aber nur die wenigsten haben eine solche Euphorie, Freude und Überzeugung in ihre Musik einbringen können wie diese jung gebliebene und doch erwachsen gewordene Band aus Konstanz am Bodensee. Mit Der Schatz der Riffpiraten haben Die Kleinen Göttern ein kleines Juwel am Indiepop-Punkrock-Himmel geschaffen. In knapp vierzig Minuten gelingt es ihnen vierzehnmal, Pop-Songs nicht beliebig klingen zu lassen. Und in jedem ihrer Songs entdeckt man eine neue Energie, eine neue Emotion. Schnelle Punkrock-Nummern wie der Opener Unsterblich als Reminiszenz an ihre Fans, Wenn Annika träumt als Hymne für heranwachsende Teenager oder die beiden großartigen, für mich schon heute zu Punkrock-Love-Song-Klassikern avancierten Kleine Sterne und Nur für Dich, sind wild, treibend und ungestüm. Midtempo-Songs wie das großartige Sing-along Investieren, Baby, der Alternative-Rock-Hit GlaubeLiebeHoffnung oder das auf Louis Armstrongs berühmtester Melodie aufbauende Louis zwingen Dich dazu, erst mitzuwippen, dann zu tanzen und dabei die Anlage ganz laut aufzudrehen. Und auch in der schwierigsten Übung, den langsamen Songs, haben Die Kleinen Götter begriffen, worauf es ankommt: Auf eine authentische Gefühlsvermittlung, auf Nähe, auf eine Gänsehaut, die sich vor allem bei dem anfangs ganz intimen und später wild explodierenden R.B.Y.P. einstellt. Der Schatz der Riffpiraten ist eine außergewöhnliche CD. Das merkt man schon, wenn man sie in den Händen hält. Das liebevoll und aufwändig gestaltete Artwork erinnert mit seinen vielen Illustrationen an einen Abenteuerroman für Kinder. Im Booklet wird die Geschichte jenes Abenteuers erzählt, das Die Kleinen Götter damals vor 9 Jahren in Shackleton Black Beach erlebten. Doch das ist es nicht, was diese Platte so groß macht. Nein. Es ist die Langzeitwirkung. Je öfter man Der Schatz der Riffpiraten hört, desto mehr wachsen die Songs und gewinnen an Profil. Allen voran gilt dies in meinen Augen für das Hotel mit Meerblick. ein Song, der alles hat, was ein großer Song braucht: Eine zeitlose Melodie, ein spannendes Arrangement, ungewöhnliche Produktions-Details und vor allem auch einen hervorragenden und intelligenten Text. Überhaupt, die Texte: Gerade hier ist der Band ein großer Wurf gelungen. Auf dem neuen Album von Die Kleinen Götter paaren sich intelligente und bildreiche Texte mit schlichten Wahrheiten und großen Gefühlen. Wenn Du Der Schatz der Riffpiraten anhörst, kannst Du mitsingen, Du kannst nachdenken, Du kannst Dich treiben lassen - diese Platte kannst Du in den verschiedensten Stimmungen und Gemütslagen anhören, und jedes Mal kann sie Dir etwas geben. Wahrscheinlich der richtige Soundtrack, um Jahr für Jahr ein bisschen mehr auf die 30 zuzugehen. Die Kleinen Götter sind eine fantastische Band mit einer großartigen neuen Platte. Und, was noch viel wichtiger ist: Sie sind für mich gute Freunde geworden. Ich wünsche Ihnen alles Glück und allen Erfolg dieser Welt. Max Goldstein